Geschichte

Ursprünglich war das Eisenbahnpersonal im VSEA, dem Verein Schweizerischer Eisenbahnangestellter organisiert. So auch das Personal der Privatbahnen. Da dieses aber schlecht oder zumindest ungenügend betreut wurde, fassten mutige Männer den Entschluss einen eigenen Unterverband zu gründen. Im Jahr 1903 war es so weit. Der VNP, der Verband der Nebenbahnen wurde ins Leben gerufen. Mitmachen wollten vorerst nur die damals so genannten Kreise Alpnachstad, Wädenswil, Herisau, Gürbetal, Tösstal, Huttwil, Sihltal und Vitznau. Anlässlich der Gründungsversammlung traten dann aber noch weitere Kreise bei. Der junge, neue Verband hatte einen schweren Stand, weil ihn viele Kollegen nicht akzeptieren wollten.

Trotzdem, die Mitgliedschaft wuchs kontinuierlich an. Der erste Weltkrieg stürzte insbesonders die Privatbahnen und deren Personal in grosse Not. Zusätzlich erschwerend wirkte sich die grassierende Teuerung aus. Diese Umstände lösten eine grosse Solidarität aus. Und der VNP ging aus diesen Wirren gestärkt hervor. Dessen Name wurde im Jahr 1918 in VPPD, Verband des Personals der Privatbahnen und Dampfschiffgesellschaften geändert. Im Jahr 1919 wurde der heutige SEV gegründet und hervorgehend aus einer Sterbekasse, entstand zugleich auch die Versicherungskasse SEV. Und daran arbeiteten die so genannten “Privaten” aktiv und positiv mit. Markantes ereignete sich im Jahr 1921.1700 Mitglieder der U.R.E.T, der Union romande des employés de tramways traten dem VPPD bei.

Nach einigen ruhigeren Jahren konnte 1928 das 25-jährige Bestehen gefeiert werden. Mit seinen 74 Sektionen und 5865 Mitgliedern war der VPPD inzwischen zum zweit grössten Unterverband innerhalb des SEV herangewachsen.
Im Jahr 1930 traten neue Statuten in Kraft und zugleich gab es wieder eine Namensänderung.
Mit dem Kürzel VPD umfasste der Verband nun das Personal der privaten Eisenbahnunternehmen, der Schifffahrt und den Strassenbahnen in der welschen Schweiz.

Im Jahr 1933 konnte der SEV einer Pioniertat zum Durchbruch verhelfen. Die Versicherungsgenossenschaft der Verwaltungen und des Personals schweizerischer Transportunternehmungen - mit dem Namen ASCOOP - konnte gegründet werden.
Nun machte sich die Wirtschaftskrise der dreissiger Jahre bereits negativ bemerkbar und sie verschlimmerte sich zusehends. Letztendlich gipfelte sie im Jahr 1939 im Ausbruch des zweiten Weltkrieges. Glücklicherweise waren die Transportunternehmungen, der SEV wie auch der VPPD betreffs dieser Ereignisse viel besser gerüstet als vor dem ersten Weltkrieg. Gewaltige Mengen an Gütern waren zu transportieren, weil das Militär die privaten Lastwagen konfiszierte. Einen Mangel an Kohlen gab es auch nicht mehr gross, weil die meisten Bahnen - dank der Elektrifizierung - nicht mehr betroffen waren.
Im Jahre 1945 ging der so unzählige Opfer fordernde, zweite Weltkrieg endlich zu Ende.

Zwei Jahre danach stimmte das Schweizervolk mit einem Glanzresultat der AHV zu. 1948 wurde sie in Kraft gesetzt und bewähren tut sie sich auch heute noch.
Im Anschluss an die Delegiertenversammlung vom 25. Juni 1953 in Lausanne feierte der VPD sein 50-jähriges Bestehen. Herausgegeben wurde eine Jubiläumsbroschüre mit dem Titel “50 Jahre organisatorische, gewerkschaftliche und soziale Tätigkeiten des Personals der Privatbahnen, Trambahnen und Dampfschiffgesellschaften”. Zwei Jahre später wurde der Unterverband nochmals umgetauft und zwar in den auch heute noch so heissenden Verband des Personals privater Transportunternehmungen, den VPT.

Dem “Privatbahnpersonal” ging es nach wie vor schlecht und selbst die Unternehmungen mussten während Jahren ums nackte Überleben kämpfen. Sie konnten mit der überhitzten Konjunktur und den damit verbundenen Teuerungschüben nicht Schritt halten. Etliche Bahnen wurden ja dann auch aufgehoben und Weitere standen kurz davor. Eine Wende brachte das Jahr 1958 dank der sogenannten Lohnsystematisierung. Schrittweise konnten in den Jahren danach die Löhne der meisten “Privatbahner” an diejenigen der viel besser gestellten Bediensteten der SBB angeglichen werden. Zugleich stieg auch das Ansehen der Bahnen im Schweizervolk wieder an. Einige konnten sogar grosszügig ausgebaut werden. So zum Beispiel der Regionalverkehr Bern Solothurn, die Forchbahn, die Baselland Transport AG, usw.

Am 31. März 1963 zählte der VPT 11212 Mitglieder. Und damit avancierte er zum grössten Unterverband im SEV.
Das Jahr 1967 wurde überschattet durch die Krise im Nahen Osten sowie den Vietnamkrieg. Und diese beiden Ereignisse heizten die Teuerung noch mehr an. Damit kamen die Transportunternehmungen viel schlechter zurecht als die Privatwirtschaft. Viele gute Leute wanderten deshalb ab und die Folge war ein Personalnotstand.

Im Jahr 1969 feierte der SEV sein 50-jähriges Bestehen und das Personal der CGTE, der Compagnie Genevois Tramways Electrique kam in den Genuss der 40-Stunden-Woche.
Das war eine einmalig fortschrittliche Regelung, denn erst drei Jahre danach kam auch das Bundespersonal in denselben Genuss.

Im Jahr 1970 kam die erste Überfremdungsinitiative, die sogenannte Schwarzenbach-Initiative zur Abstimmung. Sie wurde abgelehnt, wie auch die Initiative für “Recht auf Wohnung” und das trotz enormer Wohnungsnot.

Das Jahr 1973 wurde geprägt durch die Erdölkrise im Nahen Osten. Der Schweiz bescherte sie drei autofreie Sonntage und weitere Einschränkungen. In Genf wollte das Personal der CGTE streiken. Der SEV lehnte das Vorhaben aber mit der Begründung ab, die Löhne seien in Genf höher als anderswo. Das betroffene Personal zeigte sich enttäuscht und begann mit einem Übertritt zum VPOD zu liebäugeln. Daraus wurde dann allerdings nichts.
Im Jahr 1975 wurde der VPT 75-jährig. Gefeiert wurde anlässlich der Delegiertenversammlung vom 20. Mai in Olten. Und am 24. September desselben Jahres sagten die Stimmbürgerinnen und Stimmbürger Ja zum neuen Kanton Jura.

Im Jahr 1980 neigte sich der Bau des Furka-Tunnels - mit einer grossen Kostenüberschreitung - dem Ende zu.
Am 23. Mai 1982 wurde mit dem Taktfahrplan ein geschichtsträchtiges neues Reisezugskonzept eingeführt.

Zu Beginn des Jahres 1984 sagte das Schweizervolk “Ja” zur Schwerverkehrsabgabe und zur Autobahnvignette. Drei Jahre später sprach es sich mit überwältigendem mehr auch für das ehrgeizige Projekt Bahn 2000 aus. Zudem wurde das so genannte Altersabonnement in das heute noch gültige und sehr beliebte Halbpreisabonnement umgewandelt.

Auf den 1. Juli 1990 führte der SEV den Coop-Multi-Rechtsschutz ein. 35’000 Mitglieder traten auf Anhieb bei.
Im Jahr 1991 feierte die Schweizerische Eidgenossenschaft ihr 700-jähriges Bestehen.
Zudem lehnte die Delegiertenversammlung den Antrag der Sektion Lausanne TL - für einen neuen Unterverband für das städtische Personal - ab. Die Akzeptanz-verweigerung verursachte dem SEV und VPT viel Arbeit und Stress. Entstanden ist daraus letztendlich die GATU, die Groupe Autonome des Transports urbains.

Am 20. Februar 1994 stimmte das Schweizervolk gleich vier eminent wichtigen Verkehrsvorlagen zu (Weiterführung Schwerverkehrsabgabe, Weiterführung Nationalstrassenabgabe, Einführung leistungs-, respektiv verbrauchsabhängige Schwerverkehrsabgabe sowie die Volksinitiative “Zum Schutz des Alpengebietes vor dem Transitverkehr“). Im gleichen Jahr feierte der SEV sein 75-jähriges Bestehen.

Auf den 1. Januar 1996 trat das neue Eisenbahngesetz in Kraft und verbunden damit verschwand die so segensreiche Lohnsystematisierung. Verschwunden sind seither bei den SBB und den konzessionierten Transportunternehmungen auch weit über 10‘000 Arbeitsplätze. Und entsprechend geschrumpft sind deshalb auch die Mitgliederzahlen beim SEV.
Im Jahr 1998 kämpfte der SEV auf allen Ebenen und erfolgreich für zwei weitere Verkehrsvorlagen (Einführung Leistungsabhängige Schwerverkehrsabgabe und Finöv, sprich Finanzierung des öffentlichen Verkehrs).

Im Jahr 1999 konnte die Rätische Bahn den Vereinatunnel eröffnen. Und bei den Privatbahnen brach eine echte Fusionswelle aus. Im Weitern wurden vielerorts Gesamtarbeits-Vertrags-Verhandlungen aufgenommen. Heute sind bereits eine ganze Reihe von Gesamtarbeitsverträgen in Kraft und sie bewähren sich bestens .

Walter Oberli, Sekretär VPT und Verfasser des Buches "100 Jahre SEV-VPT"

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